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Das keltische "Lullaby"
Weisen aus einer anderen Welt
 

2. Amplifikation (Ausweitung)


Dazu erfolgt eine amplifizierende (ausweitende) Wirkung. Die Natur und das ganze Umfeld des Clans werden dem Kinde zum Vor- Bewußtsein gebracht. Die "größere Gemeinschaft" die Ganzheit der Welt und die letztliche Verbundenheit aller Lebewesen spielt mit hinein. Es ist dies eine Weltsicht, welche dem europäischen Heidentum noch geläufig war, die um jene Zusammenhänge von Tier, Pflanze, Stein und Mensch weiß.
Es fällt auf, wie die Wiegenlieder oft das genaue Weltbild jener Zeit ausführen, wie dem Kinde in den einzelnen Strophen Detail um Detail die draußen schlummernde Welt erzählt bzw. gesungen wird. Da ist von den Himmelserscheinungen die Rede, vom Mond, von den Schafen, aber auch von der Familie, z.B. vom Vater, der etwas mitbringen wird. Die Welt draußen wird ihrer Gefahr entkleidet und in diesem Zusammenhang sogar als verlockende Geberin eines Geschenkes dargestellt.
Die Tiere werden sehr sorgfältig in ihren Eigenarten und nächtlichen Verhaltensweisen beschrieben, z.B. die Kühe im Stall oder die Tiere in der freien Natur. Eine finnische Weise gibt dieser Sicht sehr poetisch Ausdruck:
 

"Schlafe, Entchen schlaf im Schilfe, das im Wind tut schwingen.
Schlafe, schlafe, schlaf im Schilfe.
Hast keinen Vater, hast keine Mutter,
ein Schlaflied dir zu singen.
Schlafe, Entchen schlaf im Schilfe, Nachtwind wiegt dich leise.
Sonne gibt Wärme, Welle gibt Kühle, und Gott gibt Trank und Speise."

Aus "Der Turm I", S.154 unter "finnisches Wiegenlied", Übersetzer nicht genannt.


Entscheidend scheint mir die Erwähnung der in den letzten zwei Zeilen genannten "Elternvertreter", welche eine geborgene Nachtruhe selbst des kleinen Tieres gewährleisten. Diese Überhöhung gibt dem Kind das Gefühl eines Aufgehobenseins in einer größeren Ordnung. weiter
  



 
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aktualisiert am 18.12.02

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